WEITERMACHEN!

Ich trete in die Wohnung ein, in meiner Erinnerung hallen die Geschichten zum Ort nach. Ich schaue mich um, nehme einen tiefen Atemzug und trage meine Geschichten in den Ort mit hinein.
Je nach eingenommenem Standpunkt innerhalb der Wohnung, verändert sich die Wahrnehmungsperspektive und das Erleben des Ortes. Ich bin angetan von Steckdosen, die nicht mehr funktionieren, Wasserleitungen, die nicht mehr rinnen, den Böden, den gemusterten Tapeten, die Assoziationen zu eigenen Wahrnehmungsmustern wachrufen. Beim Durchschreiten des Raumes entsteht eine Idee, eine neue Geschichte, ganz im Sinne des Ausstellungsthemas WEITERMACHEN!

MUSTER- STÜHLE- INSTALLATION
Vorhandene Stühle sind – im Dialog zum Raum und den anderen künstlerischen Beiträgen – positioniert und mit gemusterten Pölstern versehen worden. Sie laden dazu ein, an unterschiedlichen Orten innerhalb der Wohnung zu verweilen und zu kontemplieren.
„Das wahre Maß des Lebens ist die Erinnerung“, schreibt Walter Benjamin.

ZEIT SPUREN

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Auf allen Fensterbänken in der Wohnung befinden sich Wassergläser mit Verdunstungsspuren. Sie stehen für das JETZT, aber auch für das Verdunsten von Zeit und gelebtem Raum. „Erinnerung ist eine Form der Begegnung.“, meint der libanesische Philosoph Khalil Gibran.

TEXTBILDER

Weitermachen! ZitatBilder (c) Sarah Iris Mang
Die Zitate beziehungsweise Wörter aus den Zitaten, von Benjamin, Gibran und Handke wurden auf Mustertapeten genäht. ZITATE: „Das wahre Maß des Lebens ist die Erinnerung“ Walter Benjamin. „Es gibt keine Fähigkeit der Verwandlung, sie ist das allerschmerzhafteste Muss.“ Peter Handke. „Erinnerung ist eine Form der Begegnung.“ Khalil Gibran.

Ostmarkgasse 40, 1210 Wien
11. Juni 2016
11–15 Uhr

weitermachen!”-Salon 16
IG-Bildende Kunst, Gumpendorferstr. 10-12, 1060 Wien
8.6.2016, 19h Ingrid Gaier (Initiatorin von weitermachen!) spricht mit Andreas Spiegl über das Projekt “weitermachen!”

TEXT INGRID GAIER

Am 30. April, am 21. Mai und am 11.Juni  verwandelt sich nach dem Tod der letzten Bewohnerin eine leerstehende Floridsdorfer Wohnung aus den 50-erjahren in einen Kunstraum. Die letzte Bewohnerin ist in diesem Haus geboren und 2015 86-jährig verstorben. Der Sohn hat die Wohnung leer geräumt, die Stadt hat Gas und Strom aus Sicherheitsgründen gesperrt. Die Räume zeigen einen Status, der heute fast nicht mehr existent ist. Kohleofen, ein Waschbecken, Klo am Gang, eine typische Bassenawohnung der Jahrhundertwende. Tapeten und Böden zeigen eine gestalterische Ästhetik der ehemaligen BewohnerInnen, die längst vergangen und „retro“ ist. Im Zuge der jetzigen viel diskutierten Wohnungsknappheit wird daran erinnert, dass solche Wohnungen um die Jahrhundertwende für viele das ersehnte Glück bedeuteten. KünstlerInnen entwickeln eine unglaubliche Zähigkeit, trotz prekärer Situationen mit ihren Ideen weiterzumachen, so auch hier. Diese Räume werden von Wohnräumen zu temporären Kunsträumen, die der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Ein anderes Sammelsurium ergreift Besitz von den Räumen. Visualisierte Gedanken, Ideen, Anregungen, kurzum künstlerische Aussagen – eine Zwischenbelebung.